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CAPELLA TEMPESTA

Natalia Herden, Oboe und Traversflöte, Nelly Sturm, Fagott und Jia Lim Cembalo, Hammerflügel bilden ein noch junges Ensemble, das sich der spätbarocken und klassischen Kammermusik widmet. Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem Repertoire für Holzblasinstrumente. Die in Leipzig, Basel und Berlin beheimateten Musikerinnen kennen sich seit ihrer Studienzeit, die sie zeitweise gemeinsam an der auf Alte Musik spezialisierten Schola Catorum Basiliensis verbrachten.

Aus Chur- und anderen Fürstlich Teutschen Landen

Werke von Brescianello, Janitsch, Platti, Zelenka und Fasch

Gäste: Friederike Lehnert - Violine, Katharina Litschig - Violoncello

Ob im kurfürstlich albertinischen oder ernestinischen Sachsen, ob weltlicher Fürst oder Fürstbischof – die Metropolen nördlich der Alpen entwickelten sich im 18. Jahrhundert zu eigenständigen Kunst- und Kulturzentren. Dresden – das Elbflorenz – ist nur ein Beispiel für den unglaublichen Ehrgeiz deutscher Fürsten, keine der neuesten europäisch-künstlerischen Tendenzen und Errungenschaften zu verpassen und sie zu assimilieren. Im Musikleben der Stadt spielten dabei nicht nur die Italiener eine Rolle, sondern auch böhmische Komponisten wie Jan Dismas Zelenka und nicht zu vergessen böhmische Musiker, unter denen v.a. die hervorragenden Holzbläser sehr begehrt waren. Als reisende Virtuosen zwischen den verschiedenen Fürstenhöfen hatten sie keinen unwesentlichen Anteil an der Verbreitung des zum Teil auf sie gemünzten Repertoires, welches sie als Abschriften mit sich führten. Die heute in verschiedenen Bibliotheken schlummernden Kopien bekannter und unbekannterer Musik geben nicht immer ihre Geschichte preis, zeugen jedoch von einer unglaublichen musikalischen Vielfalt, welche zum Klingen gebracht werden soll.

Liberté, Égalité, Fraternité – bürgerliche Musikkultur in Paris zu Zeiten des Umbruchs

Werke von Devienne, Rault, Cambini, Brod u.a.

Gast: Johanna Bartz

Politisch rückte Frankreich mit der französischen Revolution und den darauffolgenden Entwicklungen ins europäische Blickfeld – musikgeschichtlich scheint es hingegen ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in die Bedeutungslosigkeit zu versinken. Komponisten der Wiener Klassik, der Deutschen Romantik sind allgemein bekannt, doch wer wüsste heute die entsprechenden französischen Zeitgenossen zu nennen? Und dennoch: Frankreich spielte die zentrale Rolle bei der Etablierung einer unabhängigen, bürgerlichen Musikkultur, wie sie im 19. Jahrhundert vorherrschend werden sollte. Die von der französischen Revolution proklamierten Ideale der Freiheit und Gleichheit forderten als Voraussetzung die Verantwortung des Staates für die Erziehung seiner Bürger – die Gründung des ersten Konservatoriums in Paris 1795 ermöglichte einer viel breiteren Bevölkerungsschicht eine musikalische Ausbildung. Die Dozenten waren nun nicht mehr nur Komponisten und Instrumentalisten der Pariser Oper und anderer inzwischen bürgerlichen Konzertformationen, sondern ebenfalls hervorragende Pädagogen. François Devienne (Flöte), Étienne Ozi (Fagott), Henri Brod (Oboe), Rodolphe Kreutzer (Violine) verfassten Lehrwerke und begründeten damit teilweise nationaltypische Instrumentalschulen. Auch in der Weiterentwicklung der Instrumente erwarben sie sich mitunter große Verdienste, die von den in Paris neu gegründeten Unternehmen für Instrumentenbau aufgegriffen wurden und damit internationale Verbreitung fanden. Private Musikaufführungen waren nun nicht mehr der königliche Chambre vorbehalten, sondern erklangen in zahlreichen Musikalischen Salons, in denen die Musikkultur von dem sich neu etablierendem Bildungsbürgertum gepflegt wurde.